Die Oder, wie ihr sie nicht kennt - Vögel

VÖGEL
Die Oder, wie ihr sie nicht kennt

Wroc³aw 2011


Herausgeber:
Internationale Kommission zum Schutz
der Oder gegen Verunreinigung

 

Broschure_vogel.pdf9,43 MB 2024.05.10

Liebe Kinder, liebe Naturfreunde und Naturfreundinnen,
 

wir übergeben Euch die Broschüre „Vögel”, die von der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) vorbereitet wurde. Wir sind eine internationale Organisation, die in Polen, der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland tätig ist und sich mit dem Gewässerschutz befasst. Gemeinsam kümmern wir uns darum, dass die Flüsse und Seen sauber sind und sowohl deren Bewohnern als auch den Menschen dienen. In dieser Auflage möchten wir Euch einige Vogelarten, die an der Oder leben, samt ihrer Gewohnheiten und Verhaltensweisen näher bringen. Wir laden Euch ein, Euch mit dem Inhalt der Broschüre sowie mit den bunten Zeichnungen vertraut zu machen. Sie ist die zweite aus der von uns geplanten Broschürenserie über Pflanzen und Tiere im Einzugsgebiet der Oder – „Die Oder, wie ihr sie nicht kennt“. In der nächsten Auflage stellen wir Euch die Welt der Insekten vor, die das Wassermilieu des Odergebiets besiedeln.
 

Wir wünschen allen viel Spaß beim Lesen.

IKSO

 

 

 

Der Graureiher (Ardea cinerea)

Körperlänge: 85–100 cm

Körpergewicht: 1–2,1 kg


 

Er ist ein wenig kleiner als der Storch. Seine Namensgebung ist auf sein graues Gefieder zurückzuführen. Während seines Fluges ist er sehr einfach an seiner charakteristischen Halsneigung in Form eines „S“ zu erkennen. Sein Lebensraum umfasst Wälder, die sich in unmittelbarer Gewässer- bzw. Flussnähe befinden. Ebenso nutzt er auch Wiesen und Weiden als auch Fischteiche, wo er nach einfacher Beute Ausschau hält. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Fischen, aber auch aus Amphibien, Kriechtieren, kleinen Säugetieren und größeren Insekten. Er ist sehr gefräßig und seine Beute, die bis zu 20 cm lang sein kann, frisst er im Ganzen. Seine Nester baut er hoch auf Bäumen und seltener in Sträuchern oder im Schilf. Meistens brütet er in Kolonien, die als „Graureiherbrutkolonien” bezeichnet werden. Es kommt immer häufiger vor, dass die Graureiher über den Winter nicht wegfliegen, sondern sich an nicht zufrierenden Gewässern in der Nähe von Kraftwerken oder Abwassereinleitestellen aufhalten.

 

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(Brut)kolonie - Eine Ansammlung von Vögeln an einem Standort, die gemeinsam brüten; dabei können Kolonien mit nur einer Gattung auftreten aber auch mit mehreren (z.B. Reiher gemeinsam mit Kormoranen).

 

 

 

 

Die Fluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo)

Körperlänge: 30–39 cm 

Körpergewicht: 100–175 g

 

Ein Wandervogel aus der Familie der Seeschwalben. Die Fluss-Seeschwalbe hat eine schlanke Statur mit schmalen Flügeln und einem relativ langen, weit gegabeltem Schwanz. Das Gefieder beider Geschlechter ist weiß-grau, und ihr Oberkopf ist schwarz gefärbt. Es ist eine gesellige Gattung, die in der Regel kolonieartig in den Flusstälern brütet, und insbesondere dort, wo sandige oder kiesige Inseln und Ufer zugänglich sind. Sie ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen, aber auch von Insekten, Krebs- und Weichtieren, die in Wasserumgebung vorhanden sind. Die Fische fängt sie, indem sie im Sturzflug ins Wasser in einige Meter Tiefe hineintaucht. Die Eier legt sie in ein Nest, eine Bodenmulde, die mit einigen kleinen Steinen oder Muscheln ausgekleidet ist. Eine wesentliche Gefährdung für diese Vögel in der Brutzeit kann die Bedrohung durch Menschen und Raubtiere sein, denn die Eier der Fluss- Seeschwalbe bleiben dann ohne Schutz, und sind somit der Sonnenhitze ausgesetzt. Die Nester als auch die Brut können ebenfalls infolge von plötzlichen Wasserstandschwankungen zerstört werden.

 

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 Brut - Ist die Bezeichnung für gelegte Eier als auch für geschlüpfte Vögel.

 

 

 

Der Schwarzstorch (Ciconia nigra)

Körperlänge: 90–105 cm

Körpergewicht: ca. 3 kg

 

Er ist etwas kleiner als der Weißstorch, und wie der Name schon sagt, unterscheiden sie sich in der Färbung voneinander. Die ausgewachsenen Vögel haben einen leuchtend roten Schnabel und Beine. Er bewohnt feuchte Waldgebiete mit Teichen, Sümpfen und Wiesen. Seine Nester (mit einem Durchmesser von über 1 m) baut er in großen Baumkronen. Er ernährt sich hauptsächlich von Fischen, Amphibien und Insekten, die er im flachen Wasser erbeutet. Auf der Suche nach Nahrung entfernt er sich sogar bis zu 10 Kilometern vom Nest. Im Gegensatz zum Weißstorch klappert der Schwarzstorch selten. Viel häufiger erzeugt er piepsende und zischende Geräusche. Der Schwarzstorch lebt verborgen, deshalb ist er im Gegensatz zu dem populären Weißstorch schwieriger zu beobachten. Da der Schwarzstorch eine ängstliche Art ist, ist es nicht verwunderlich das er die menschliche Umgebung meidet. Allerdings hat man in den letzten Jahren beobachtet, dass er weniger ängstlich auf Menschen reagiert, und man findet Nester in der Nähe von Ortschaften und an intensiv befahrenen Straßen vor.

 

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Sumpf - Es ist ein Gebiet, welches zeitweise stark vernässt ist, schlammige Böden mit stehendem Wasser hat und eine spezifische Pflanzenwelt, die sich an die Bedingungen angepasst hat.

 

 

 

Der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)

Körperlänge: 15–18 cm

Körpergewicht: 30–50 g

 

Ein Vogel in der Größe eines Spatzes. Der ausgewachsene Flussregenpfeifer hat einen Braun en Rücken und eine weiße Unterseite. Er hat eine charakteristische schwarz-weiße Zeichnung auf dem Kopf und ein schwarzes Band, das die weiße Kehle und den Hals von der Brust abtrennt. Um die Augen ringsherum hat er einen gelben Augenring. Er hat einen dunklen Schnabel und gelbgraue Beine. Der Flussregenpfeifer bewohnt sandige und kiesige Flusstäler. In letzter Zeit besiedelt er auch andere Gebiete mit einer armen Pflanzendecke, wie z.B. Brachfelder, Kiesgruben, künstliche Gewässer, Tagebaue oder Baustellen. Nester werden angelegt, indem das Männchen einfache Vertiefungen in den Boden gräbt. Die Küken sind Nestflüchter, die ihre Flugfähigkeit ca. drei Wochen nach dem Auskriechen erreichen. Die Flussregenpfeifer sind sehr fürsorgliche Eltern und versuchen bei jeder Gefahr das Raubtier von ihrem Nest wegzulocken. Sie geben dann vor, sie hätten einen gebrochenen Flügel und ziehen somit die gesamte Aufmerksamkeit des Angreifers auf sich. Die Nahrung des Flussregenpfeifers setzt sich aus Insekten und anderen kleinen Wirbellosen zusammen, die an der Erdoberfläche oder in Schlammschichten gefunden werden. Wenn er nach Nahrung sucht, bewegt er sich sehr schnell, so dass die Füße des Vogels beinahe unsichtbar werden, und man den Eindruck hat, als ob er gleiten würde.

 

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Nestflüchter - Eine Gruppe von Vögeln, deren Küken sehr schnell nach dem Auskriechen dazu fähig sind, ihr Nest zu verlassen.

 

Wirbellose - Organismen, die kein achsiales inneres Knochengerüst haben, also keine Wirbelsäule und keinen Schädel, z.B. Schnecken, Muscheltiere, Insekten, Krebse.

 

 

 

Der Rotmilan (Milvus milvus)

Körperlänge: 60–70 cm

Körpergewicht: Männchen 800–1000 g

Weibchen 950–1500 g

 

Es ist eine Greifvogelart mit einem relativ einfach erkennbaren rostbraunen Gefieder. Er hat eine schlanke Statur und einen langen, tief gegabelten Schwanz. In der Flugposition nehmen seine Flügel die Form eines „M“ an. Der Rotmilan bewohnt Wälder, Wiesen und Gewässer. Sein Nest baut er am Waldrand, manchmal in einer unmittelbaren Nachbarschaft des Graureihers. Die Nestauskleidung ist sehr charakteristisch, denn sie besteht aus Materialien wie Lappen, Papier, Folie oder Schnüren. Zu seinem Speiseplan gehören kleine Säugetiere, Vögel, Fische, Insekten, manchmal auch auf Mülldeponien erbeutete Speisereste und Kadaver. Deshalb kann er oft an stark befahrenen Straßen auf der Nahrungssuche beobachtet werden, wo er nach überfahrenen Tieren Ausschau hält.

 

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Greifvogel - Das sind Raubvögel, die ihre Opfer greifen, töten und dann auffressen. Dazu dienen ihnen ihre scharfen Krallen und ein starker krummer Schnabel.

 

 

Der Haubentaucher (Podiceps cristatus)

Körperlänge: 45–60 cm

Körpergewicht: 600–1450 g

 

Ein Wasservogel, der sich von der Größe her an die Stockente annähert, aber eine deutlich schlankere Statur aufweist. Von den Enten unterscheidet er sich durch einen langen angespitzten Schnabel. In der Brutsaison ist er einfach an seiner Federhaube und einem rostbraun-schwarzen Kragen (sog. Krause) zu erkennen. Er besiedelt Gewässer, die in der Uferzone einen größeren Schilfstreifen haben. Am Anfang der Balzzeit bilden sie Paare und führen lange, komplizierte Balztänze aus. Nester werden auf dem Wasser gebaut in Form eines Floßes aus Hölzern, Stängeln und Pflanzenblättern. Oft kann man beobachten, wie die Haubentaucher ihre Küken mit charakteristischen schwarz-weißen Streifen auf dem Kopf und Hals auf ihren Rücken mitführen. Junge Haubentaucher können zwar gut schwimmen, sie sind jedoch im Wasser Angriffen größerer Raubfische ausgesetzt. Es ist eine ausgesprochen fischfressende Gattung. Der Haubentaucher taucht oft und geschickt, und kann bis zu ca. 30 Sekunden unter Wasser verbringen. Darüber hinaus hat er eine Gewohnheit seine Federn zu fressen, welche er später wieder ausspuckt. Dieses dient höchstwahrscheinlich dazu seine Organe vor Verletzungen durch Fischgräten zu schützen.

 

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Balzzeit - Ein Zeitraum, in dem die Vögel Partner mit ihrem Gefieder und ihren Tänzen locken, um sich zu paaren und zu brüten.

 

 

Der Eisvogel (Alcedo atthis)

Körperlänge: 16–18 cm

Körpergewicht: 34–46 g

 

Er ist einer der farbenprächtigsten Vögel Europas. Man erkennt ihn an der grün-blau gefärbten Oberseite und der weiß-rostbraunen Unterseite. Trotz seiner Befiederung ist er nicht einfach zu beobachten, selbst wenn er in unbeweglicher Stellung auf einem Ast verharrt und auf Beute lauert. Der Eisvogel ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen, die er mittels Stoßtauchen (er stürzt sich schräg nach unten kopfüber ins Wasser) jagt. Der Eisvogel nistet in steilen Uferböschungen an sauberen Flüssen, in die er waagerechte Löcher mit einer Länge bis zu einem Meter gräbt die mit einer Nestkammer enden. Das Loch liegt ca. 50 cm über dem Wasserspiegel, so dass es nicht überschwemmt wird und die Raubtiere keinen einfachen Zugang zu ihm haben. Es ist eine monogamische Gattung. Ausserhalb der Brutzeit lebt der Eisvogel einsam und verlagert sich im Winter vom Brutgebiet an Orte mit unvereistem Wasser.

 

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Monogamie - Paarung eines Männchen und eines Weibchen um Nachwuchs zu zeugen. Diese „Beziehung“ kann dasganze Leben eines Vogels dauern oder lediglich nur eine Brutsaison.




Die Uferschwalbe (Riparia riparia)

Körperlänge: 12–13 cm

Körpergewicht: 11–18 g

 

Die Uferschwalbe zählt zu den kleinsten Schwalben und ist die einzige mit einer erdbraunen Oberseite. Die Männchen unterscheiden sich äußerlich kaum den Weibchen. Typische Brutorte der Uferschwalbe sind sandige, steile Flussufer (daher die Namensgebung), in denen sie 60–90 cm tiefe Höhlen gräbt. Die Höhle wird an ihrem Ende breiter und bildet dort die Brutkammer, in der sie ihre Eier legt. Wenn man ein Ufer mit zahlreichen Löchern sieht, welches einen an einen Schweizer Käse erinnert, kann man davon ausgehen, dass dort eine Kolonie von Uferschwalben nistet. Infolge der Flussregulierung kam es zur Zerstörung von mehreren natürlichen Lebensräumen. Aus diesem Grunde haben die Uferschwalben begonnen, vom Menschen geschaffene Stellen, wie Kiesgruben, Sandabbaustellen, Bergwerkshalden und Baustellen als Brutorte zu nutzen. Ähnlich wie bei den restlichen Schwalben sucht die Uferschwalbe nach Nahrung oberhalb des Wasserspiegels, indem sie Insekten im Flug fängt. Sie fängt große Mengen an Mücken, Fliegen und Käfern und erfüllt hiermit eine sehr nützliche Funktion in der Umwelt.

 

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Flussregulierung - Die Begradigung eines natürlichen Flussverlaufs, u. a. für den Hochwasserschutz oder für die Schifffahrt.

 

 

 

Der Kormoran (Phalacrocorax carbo)

Körperlänge: 80–100 cm

Körpergewicht: 1,8–2,8 kg

 

Ein Vogel mit einem beinahe völlig schwarzem Gefieder mit einem metallischen Glanz. Während der Balzzeit sind der Kopf und die innere Seite der Hüfte weißlich (der lateinische Name Phalacrocorax bedeutet „Kahlrabe”). Kormorane trifft man an Flüssen und sonstigen Gewässern. Im Wasser schwimmend erinnert er mit seiner Statur an einen Haubentaucher, wobei er wesentlich größer als dieser ist. Während er schwimmt, bleibt sein Körper tief im Wasser eingetaucht, und der Kopf und der Hals werden weit in die Höhe gehoben. Der Kormoran ist eine in Gruppen lebende Vogelart, die das ganze Jahr über gemeinsam nach Nahrung suchen und sich erholen. Die Anwesenheit dieses Vogels in einem Gebiet erkennt man an Bäumen, die mit weißen Extrementen verunreinigt sind und die nach einigen Jahren infolge einer Bodenversäuerung sterben. Der Kormoran baut seine Nester auf Bäumen, und seine Küken sind Nesthocker. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fischen, die er tauchend erbeutet. Nach jedem Tauchgang muss er sein Gefieder trocknen und nimmt dabei eine charakteristische Stellung an. Er steht mit ausgestreckten Flügeln und bewegt sie von Zeit zur Zeit fächerartig.

 

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Nesthocker - Küken, die nach dem Auskriechen unbeholfen sind und der elterlichen Fürsorge bedürfen, weshalb sie eine längere Zeit im Nest verbringen.

 

 

Der Höckerschwan (Cygnus olor)

Körperlänge: 125–160 cm

Körpergewicht: 6,5–22 kg

 

Er gehört zu den größten flugfähigen Vögeln. Er ist ein Symbol für eheliche Treue, weil die Paare dieser Vogelart ihr ganzes Leben miteinander verbringen. Der Höckerschwan gibt selten Laute von sich, aber wenn doch, dann sind es zischende und rauhe Laute. Viel häufiger hört man das singende Fluggeräusch der Flügel, wenn sie über einem hinwegfliegen. Ausgewachsene Vögel besitzen ein einheitliches weißes Gefieder, mit dem ein rot-oranger Schnabel mit einer schwarzen Schnabelspitze und Schnabelwurzel kontrastiert. Er brütet in flachem Wasser oder im Schilf. Sobald Gefahr lauert, verteidigt der männliche Höckerschwan sein Territorium und nimmt dabei eine charakteristische Körperstellung ein, indem er die Flügel segelartig hochhebt. In dieser Haltung kann er sogar für Menschen gefährlich werden, denn bei einem Angriff ist er in der Lage, ein Kanu umzukippen oder mit einem Flügelschlag den Arm eines  enschen zu brechen. Seine Hauptnahrung sind Wasserpflanzen, die er durch eintauchen seines langen Halses unter Wasser erreicht. Manchmal taucht er auch den ganzen Körperteil ein, und aus dem Wasser ragt dann nur sein Steiß hinaus. Der Höckerschwan ist ein gutes Beispiel für eine Gattung, die nach Einführung des gesetzlichen Schutzes ihren Bestand gesteigert hat und gegenwärtig nicht mehr zu den bedrohten Vogelarten zählt.

 

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Territorium - Es ist ein Gebiet, das von einem einzelnen Vogel, einem Vogelpaar oder einer Vogelgruppe besiedelt wird und dieses vor anderen Vögeln verteidigt.

Letzte Änderung: 2012.01.04